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Foto: Jochen Stoss
#Aus dem Herzen der Raute
25. Juni 2024

Als fünf Bremer Europameister wurden

Jean-Julien Beer erinnert sich an die großen Werderspieler während der Fußball-Europameisterschaft 1996 in England.

Jean-Julien Beer erinnert sich an die großen Werderspieler während der Fußball-Europameisterschaft 1996 in England.

Wenn in diesem Juni der Ball bei der Europameisterschaft rollt, erinnern sich viele Bremer gerne an den Sommer 1996 zurück. Nicht nur, weil Deutschland damals bei der EM in England letztmals den Titel gewann. Sondern auch, weil einige Werder-Spieler bei diesem Turnier eine gute, tragische oder kuriose Rolle spielten.

Das fängt schon bei Oliver Reck an: Der dritte Torwart des DFB-Teams (hinter Andy Köpke und Oliver Kahn) saß beim Finale gegen Tschechien in einem extra beflockten Feldspielertrikot auf der Bank, weil so viele andere Spieler verletzt waren. Notfalls hätte Reck im Feld gespielt, wenn sich noch einer verletzt hätte.
Werders Mario Basler etwa erwischte es ganz früh im Turnier, der Mittelfeldspieler verletzte sich vor dem ersten Gruppenspiel im Training. Stürmer Marco Bode kam in der Gruppenphase und im Halbfinale gegen England nur zu Kurzeinsätzen, spielte dafür aber im Finale 49 Minuten und war in nächster Nähe, als Oliver Bierhoff in der Verlängerung das erste „Golden Goal“ zum 2:1-Sieg erzielte. Bode rief seinem Sturmpartner sogar zu, wie herum er sich vor dem Schuss drehen sollte, auch wenn Bierhoff ihn nicht verstand.

Dass Bode so früh ins Spiel kam, war der Tragik von Dieter Eilts geschuldet, der bei dieser EM zum Liebling der Nation wurde: Bremens Abräumer spielte ein überragendes Turnier und wurde im defensiven Mittelfeld zum Inbegriff des „Staubsaugers“, wie man seine Rolle fortan nannte. Doch im Endspiel riss er sich ein Band im Knie, für ihn kam Bode ins Spiel.
Eilts beteuert übrigens, dass er den englischen Superstar Paul Gascoigne im Halbfinale nicht mit „Moin, moin, Gascoigne“ begrüßt habe, auch wenn sich diese Anekdote unter den EM-Helden hartnäckig hält.

Die kurioseste Zeit erlebte Jens Todt: Werder hatte den Freiburger gerade verpflichtet, der Defensivspezialist war nicht für die EM nominiert. Das Halbfinale erlebte er als Tourist mit ein paar Werder-Kollegen in London. Wenige Tage später saß er in Bremen beim Abendessen, als Bundestrainer Berti Vogts anrief: Wegen der vielen Verletzten durfte Todt fürs Finale nachnominiert werden. So ging es für ihn wieder nach London. Zum Einsatz kam er zwar nicht, er durfte den Titel aber mitfeiern.

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