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Foto: Marco Meister
#Bremer Köpfe
5. Dezember 2022

„Ich schlafe sehr wenig“

Zwischen Tower, Filmset und Fotokulisse: Durchstarter Vu Dinh über seinen beruflichen Spagat

Wenn Vu Dinh nach seinem Beruf gefragt wird, ist es nicht mit einem Schlagwort oder kurzem Satz getan. So ist der 40-Jährige als Fluglotse am Bremer Airport tätig, aber auch als Model, Schauspieler und Stuntman aktiv, er spricht mehrere Sprachen und beherrscht verschiedene Sportarten.

Wenn Vu Dinh nach seinem Beruf gefragt wird, ist es nicht mit einem Schlagwort oder kurzem Satz getan. So ist der 40-Jährige als Fluglotse am Bremer Airport tätig, aber auch als Model, Schauspieler und Stuntman aktiv, er spricht mehrere Sprachen und beherrscht verschiedene Sportarten.

 Zuletzt stand Dinh unter anderem für das Wissensmagazin „Nitronauten“ vor der Kamera und spielte die Episoden-Hauptrolle im ZDF-Krimi „Sarah Kohr: Schutzbefohlen“. Doch wie lassen sich seine zahlreichen Tätigkeitsfelder miteinander vereinbaren, und für welchen Beruf schlägt sein Herz am stärksten? Darüber haben wir mit Vu Dinh persönlich gesprochen.

Herr Dinh, Sie sind Schauspieler, Model, Fluglotse und Stuntman. War es Ihnen schlichtweg zu langweilig, sich auf einen Beruf festzulegen?

Ich würde nicht sagen, dass es mir unbedingt zu langweilig gewesen wäre. Ich mag es einfach, mich selbst immer herauszufordern, neue Sachen auszuprobieren und mich voranzutreiben. Das ist eine Eigenschaft, die mich schon immer ausgezeichnet hat. Ich schätze meinen Job als Fluglotse, glaube jedoch, dass er mich nicht komplett ausfüllen würde, wenn das meine einzige berufliche Tätigkeit wäre. Als leidenschaftlicher Filmfan lag der Einstieg in die Branche außerdem nahe.

Apropos Einstieg: Wie und wann haben Sie begonnen, Ihre beruflichen Fühler so vielfältig auszustrecken?

Viele meiner Fluglotsenkollegen verfolgen spezielle Hobbys. So ist einer von ihnen Hobbyfotograf und fragte mich eines Tages, ob ich bei einem Shooting mitmachen würde. Dadurch bin ich 2011 ins Modeln eingestiegen, habe gute Resonanz erhalten und Kontakt zu Agenturen aufbauen können. Bei meinem ersten Werbejob 2015 hatte ich dann meinen persönlichen „Aha-Moment“: Ich habe gemerkt, wie viel Aufwand und Arbeit hinter einem Film steckt, war fasziniert und wollte unbedingt ein Teil davon werden. Ich habe dann 2017 parallel zu meinem Beruf eine Schauspielausbildung begonnen und letztes Jahr abgeschlossen. Seitdem versuche ich, immer mehr in dem Bereich Fuß zu fassen.

Und wie klappt das so?

Dafür, dass ich erst neu in die Branche eingestiegen bin, tatsächlich gut. Zwei Hauptrollen in einem Jahr können sich sehen lassen, denke ich. Außerdem darf man die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht außer Acht lassen. Unter dem Gesichtspunkt bin ich mit meiner persönlichen Erfolgsquote zufrieden.

Verfolgen Sie den Bereich des Modelns nach wie vor, oder konzentrieren Sie sich ausschließlich auf schauspielerische Projekte?

Das Modeln spielt für mich nach wie vor eine Rolle, da es mir einfach sehr viel Spaß macht. Ich komme dadurch rum und genieße es, viel zu reisen, zu erleben und Neues kennenzulernen. Ich bin ein echter Tausendsassa, und liebe es, die Welt zu entdecken. Eigentlich versuche ich jedes Jahr mindestens einen Ort zu bereisen, an dem ich noch nicht war. 2020 hat das natürlich leider nicht so gut funktioniert. Ich sage mir immer, je mehr ich reise, desto mehr bilde ich mich weiter.

Hand aufs Herz: Für welchen Ihrer Tätigkeitsbereiche brennen Sie am meisten?

Foto: Paul Zimmer

Ich glaube, es ist tatsächlich die Mischung, die mir so gut gefällt und auch Ausgleich verschafft. Ich liebe meinen Fluglostenjob und habe ihm viel zu verdanken. Ich habe tatsächlich große Angst davor, dass irgendwann der Tag kommt, an dem ich mich entscheiden und Prioritäten setzen muss.

Auch Ihre Woche hat nur sieben Tage und Ihr Tag 24 Stunden. Wie bringen Sie alles unter einen Hut?

Ich schlafe sehr wenig (lacht).

Ist das tatsächlich das ganze Geheimnis?

Ja. Ich bin ein sehr energetischer Mensch und kann mich durch eine längere Zeit mit wenig Schlaf durcharbeiten. Auf der anderen Seite kann ich aber auch lange und viel schlafen, wenn ich will. Das ist wie ein An- und Aus-Schalter, den ich selbst betätigen kann. Ich möchte die Zeit, die ich habe, einfach so gut wie möglich nutzen. Natürlich muss man auch lernen Prioritäten zu setzen und arbeitsintensive, stressige Zeiten akzeptieren, in denen wenig Zeit für Privates bleibt. Meine Freunde kennen und akzeptieren das – Gott sei Dank.

Bei all den Verpflichtungen: Wie füllen Sie Ihre Energiereserven wieder auf?

Sport ist mein großer Ausgleich. Wie wichtig das für mich ist, merke ich vor allem jetzt, wo man sportlich kaum etwas machen kann. Im Fitnessstudio kann ich mich nicht nur auspowern, sondern auch mit den Leuten vor Ort austauschen. Das erdet mich sehr.

Gibt es auch etwas, das Sie überhaupt nicht können?

Ja, Fußball spielen. Ich war in den ersten Schuljahren nicht sehr gut im Sport und vielen anderen Kindern körperlich unterlegen, da ich früh eingeschult wurde. Wenn man etwas nicht gut kann, macht es einem erfahrungsgemäß natürlich auch wenig Spaß. So habe ich nie den Zugang zu Fußball gefunden. Was allerdings lustig ist: Obwohl mich Fußball nicht interessiert und ich die Bundesliga nicht verfolge, kriege ich es immer hin, in klassischen Männerrunden mitreden zu können (lacht).

Sie sind auch auf Instagram aktiv. Welche Rolle spielen soziale Medien für Sie?

Soziale Netzwerke sind für mich ehrlicherweise in erster Linie Mittel zum Zweck. Ich sehe sie geschäftlich, da das Modeln und Schauspielern für mich nicht nur Berufungen, sondern eben auch Berufe sind. Wegzudenken sind sie für mich also nicht. Ein großes persönliches Interesse habe ich daran aber kaum. Ich bin ein Mensch, der im echten Leben lebt statt in der digitalen Welt.

Als Teil der Corona-Achtsamkeitskampagne der Wirtschaftsförderung Bremen stehen Sie für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Pandemie ein. Inwieweit finden Sie es wichtig, Ihre Reichweite für so ein Thema zu nutzen?

Die Kampagne kam zu einer Zeit, in der ich tatsächlich einen eigenen Sinneswandel in der Corona-Thematik vollzogen habe, da ich einen Krankheitsfall in meinem nächsten Bekanntenkreis hatte. Aus diesem Grund habe ich gerne mitgemacht. Dennoch habe ich mich immer gescheut vor politischen Aussagen in sozialen Netzwerken. Für mich sind es dafür nicht die richtigen Plattformen.

Inwieweit hat die Corona-Krise Ihr Leben bisher beeinflusst?

Der Rückgang der Flugverkehrszahlen würde mir in meinem Lotsenjob definitiv die Möglichkeit geben, Luft für andere Projekte zu haben. Allerdings merke ich, dass seit Corona-Beginn vor allem die Modeljobs rückläufig waren und nach wie vor sind. Auch Filmproduktionen sind zurückgegangen. Als der erste Lockdown kam, war ich mitten in einem Filmprojekt und wir mussten den Dreh unterbrechen. Als wir unter Corona-Auflagen weitergemacht haben, haben wir schnell gemerkt, dass viele Dinge jetzt anders und deutlich aufwendiger ablaufen. Aus rein persönlicher Sicht leide ich doch sehr unter dem fehlenden Kontakt zu Freunden, zu der Familie. Ich bin ein Mensch, der gerne unter Leuten ist.

Also haben Sie aktuell eine kleine Zwangspause. Tut das nicht auch mal gut?

Natürlich ist es angenehm, auch mal wieder runterzukommen. Jetzt ist es aber auch gut (lacht). Meine Akkus sind voll und ich wäre längst so weit, wieder durchzustarten.

Welchen beruflichen Traum hegen Sie, den Sie sich irgendwann erfüllen möchten?

Wenn ich eine Bucketlist erstellen müsste, würden da folgende Dinge draufstehen: in einem „Star  Wars“-Film mitmachen und eine Hauptrolle in einer amerikanischen Kinoproduktion spielen, am liebsten in einem Action-Streifen. Ich gebe alles, um das irgendwann zu erreichen.

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